Digitalisierungs-Navigator: Gut gerüstet gegen Herausforderungen der Digitalisierung

Das Management digitaler Themen sollte heute in großen Unternehmen Top-Priorität haben. Diese und ähnliche Theorien hört man heute in vielen Firmen unter dem Schlagwort „Digitalisierung“ von allen Seiten. Florian Schnitzhofer, Geschäftsführer der ReqPOOL-Gruppe, erklärt im folgenden Interview, warum solche Aussagen für viele Organisationen heute tatsächlich maßgeblich sind.

 

Herr Schnitzhofer, warum ist Digitalisierung mehr als nur ein Buzzword?

Das Einführen und Betreiben von Standardanwendungen bzw. der IT-Infrastruktur ist hier nur ein untergeordneter Tagesordnungspunkt. Die eigentliche Aufgabe ist heute immer öfter die digitale Ausrichtung der Kernwertschöpfungskette. Das Motto ist, sich selbst neu zu erfinden – bevor es jemand anderes macht. Das geht nur unter genauer Betrachtung des Geschäftsmodells. Die digitale Transformation hat mittlerweile uns alle erfasst und zwingt uns branchenübergreifend die Unternehmensorganisationen und die Geschäftsmodelle zu erneuern. Denken Sie nur an die massiven Umbrüche der letzten Jahre, zum Beispiel in der Film- und Musikbranche, der Telekom-Industrie oder der Finanzwelt. Aktuell ist der Umbruch bereits in der fest verankerten Automobilindustrie zu spüren.

Was sollten ihrer Meinung nach Ziele von Unternehmen in Zeiten der „digitalen Transformation“ sein?

Die Basis des Erfolgs in solchen Zeiten ist die Definition einer zukunftsfähigen Geschäftsvision und davon abgeleitet konkrete Ziele und strategische Maßnahmen für die kommenden 5 bis 10 Jahre. Ich höre hier oft die Ausrede: "In diesen unsicheren Zeiten muss auf kurze Perioden geplant werden". Eine solche Haltung kann fatale Folgen haben. Die Umsetzung der Maßnahmen für die digitale Erweiterung und Verstärkung einer Wertschöpfungskette benötigen Zeit. Software-Neuentwicklungen oder Software-Integrationen benötigen erfahrungsgemäß einige Monate bis Jahre von der Planung bis zur Marktreife. Und ab dem Zeitpunkt der Einführung startet erst die eigentliche Arbeit mit Werbung, Marketing und Vertrieb. Moderne Unternehmen und Konzerne bewältigen mehrere solcher Projekte parallel und die erfolgreiche Umsetzung aller Projekte benötigt ganzheitliche Planung. In diesem Zusammenhang stellt sich für die Unternehmensmanager die Frage, ob das umfangreiche Projektportfolio auch tatsächlich zum gewünschten Ergebnis führt. Das Ziel ist dabei klar formuliert: Die digitale Transformation dazu nutzen, um die Geschäftsumsätze und die Gewinne signifikant zu steigern. Und, die Organisation für die zukünftigen Schlüssel-Arbeitskräfte attraktiv umgestalten.

Was hat die IT – und die Digitalisierung – denn mit Geschäftsmodellen zu tun?

Moderne, vernetzte Technologien werden Geschäftsmodelle entstehen lassen, bestehende erweitern, aber auch althergebrachte zerstören. Das war in jeder bisherigen Phase der industriellen Revolution so. Wir sehen das in allen Industrien. Wer zahlt noch für eine SMS oder für ein Konto? Wie viele Autos werden noch bar bezahlt, statt finanziert? Wer kauft sich noch eine DVD wenn er einen Film sehen will?

In dieser ungewissen und sich rasch weiterentwickelnden Zeit müssen Unternehmen nicht nur bei IT-Systemen stabil aufgestellt sein, sondern viel tiefer ansetzen, bei einem „Self-Check“ des Geschäftsmodells. Dafür braucht es einen vertrauenswürdigen Kompass, der einen durch diese stürmische See navigiert. Mit dem Digitalisierungs-Navigator kann die ReqPOOL-Gruppe so ein Instrument bereitstellen. Der Digitalisierungs-Navigator wurde gemeinsam mit der Johannes-Kepler-Universität entwickelt und dient Unternehmen als Werkzeug zur Validierung der bereits gesetzten Digitalisierungsmaßnahmen oder zur Entwicklung einer neuen, umfassenden Digitalisierungsstrategie.

Wie funktioniert dieser Digitalisierungs-Navigator?

Wissenschaftliche Studien zeigten, dass sich B2B Unternehmen mit der größten Umsatzrendite auf eine von drei erfolgreichen Wertedisziplinen fokussieren: Kundennähe, Operative Exzellenz oder Produktführerschaft. Je nach Fokus des Geschäftsmodells müssen spezifische Geschäftsmodelldimensionen besonders ausgeprägt werden. Bei Kundennähe ist es Kundensegmentierung, Kundennutzen und Kundenbeziehung. Das gibt uns die Möglichkeit, eine langfristig erfolgsversprechende Digitalisierungsstrategie abzuleiten. Mit dem Digitialisierungs-Navigator erhalten Sie ein Bündel an konkreten Digitalisierungsmaßnahmen um diese wichtigen Geschäftsmodellsegmente zu digitalisieren oder zumindest digital zu erweitern. Für die erfolgreiche digitale Transformation müssen die Unternehmenswerte, die Strukturen im Unternehmen, die Kommunikations- und Geschäftsprozesse eines Unternehmens angepasst werden. Mit den etablierten Methoden der Business-Analyse werden optimierte Arbeitsabläufe, die optimale Aufbauorganisation und Strategien für einen lösungszentrierten Einsatz für die IT erarbeitet. Das dabei verbindende Element sind die Geschäftsprozesse.

Warum wird bei solchen Vorgängen so oft der Begriff „Agil“ verwendet?

Die Erfahrung aus zahlreichen internationalen Kundenprojekten zeigt, dass die Herausforderung der Digitalisierung weniger in der Technologie, sondern besonders an der geänderten Organisationsform im Unternehmen liegt. Für die neuen Technologien kann man sich hochspezialisierte Experten oder Partnerunternehmen ins Boot holen. Der langfristige Erfolg hängt aber von der agilen Umsetzungsorganisation ab. Das gesamte Unternehmen, vom Geschäftsmodell bis zu den Ressourcen und Arbeitskräften muss sich in raschen Zyklen auf die veränderte Umwelt einstellen können und die gestiegenen Erwartungen bedienen. Unsere vernetzte Welt schafft nicht nur neue und direktere Kundenkanäle, sondern sie schafft auch neue Schnittstellen zu Lieferanten, Mitarbeitern, Mitbewerbern und zur Politik. Neue Softwarelösungen und weit über Unternehmensgrenzen hinaus vernetzte Technologien sind die Grundlage für unser erfolgreiches Handeln in dieser multi-polaren Geschäftswelt.

Ein weiterer Erfolgsfaktor am Weg zum erfolgreichen, digitalen Unternehmen ist die Bildung von interdisziplinären Teams. Wir kommen aus einer Geschäftswelt in der die klügsten digital Natives und IT-Experten in "IT-Facility-Abteilungen" zusammengefasst werden und mittels bürokratischen Anforderungsprozessen "nur" beauftragt werden. Ein aktives Einbinden oder gar das Gestalten-lassen unserer wertschöpfenden Prozesse war undenkbar. Die moderne, agile Geschäftsorganisation besteht aus interdisziplinären Teams. Technische, fachliche und operative Experten arbeiten in selbststeuernden Teams zusammen und sind vertikal für die gesamte Wertschöpfung verantwortlich. Für abgegrenzte Themengebiete liegt die Verantwortung für die Planung, Entwicklung und Durchführung im agilen Team. Zusammenarbeitende, agile Teams werden zu Schwärmen zusammengefasst und ermöglichen damit die Skalierung dieses Modells. Klare Verantwortlichkeitsgrenzen und definierte Übergabepunkte machen komplexe und vernetzte Geschäftsprozesse möglich. Der Unterschied liegt dabei im vertikalen Schnitt der Aufgabenblöcke. Alle Teams sind für die direkte Zielerreichung beim Kunden zuständig und haben somit auch mehr Verantwortung. Die schlanke Führungsstruktur baut Bürokratie ab und ermöglicht rasche und dezentrale Entscheidungen im Sinne des Unternehmenserfolgs.

Was hat diese ganze „Digitalisierung“ denn dann überhaupt noch mit IT und Systemen zu tun?

Häufig werden Software- und IT-Investitionen unterbewertet, sowohl von ihrem Umfang, als auch von ihrer Auswirkung her. Der Hauptgrund dafür liegt oft in der fehlenden Erfahrung bei der Aufwandsschätzung für komplexe IT-Vorhaben. Ein zusätzlicher Grund liegt in der hohen Erwartungshaltung der Softwarebenutzer. Moderne IT-Konzerne im Consumer-Bereich, wie Google und Facebook, legen die Messlatte für Funktionalität und Benutzbarkeit sehr hoch. Nur durch professionelle Begleitung im Projekt-Planungsprozess ist es möglich, Projekte richtig aufzusetzen und schon von Beginn an die Erwartungshaltung richtig zu formen. Leider kommt es auch heutzutage noch oft vor, dass bei der Priorisierung und Planung von IT-Investitionen der genaue Blick auf das eigene Geschäftsmodell fehlt. So kann es passieren, dass große Investitionen die in sie gesetzten Erwartungen zur Steigerung des Unternehmenserfolgs nicht erfüllen können. Dabei ist zunächst noch gar nicht die konkrete Umsetzung oder Beschaffungsentscheidung wichtig, sondern die passende Ausrichtung der Investitionen an die Kerndisziplinen des Geschäftsmodells. Aus diesem Grund basiert der Digitalisierungs-Navigator auf einer Analyse der Grundlagen des eigenen Unternehmenserfolgs. Nur so kann eine strategisch passende Ausrichtung der Digitalisierungs-Roadmap sichergestellt werden.

Haben Sie noch Tipps für Ihre Leser zur eigenen Herangehensweise an die Digitalisierung?

Nicht alle Software- und IT-Maßnahmen müssen – oder sollten – von internen Ressourcen umgesetzt werden. Für sehr viele Themen und Prozesse gibt es mittlerweile adäquate Standardlösungen. Oft fehlt es allerdings noch am notwendigen Markt- und Branchenüberblick. Firmen wie die IT Sparrow UG unterstützen Unternehmen bei Make-Or-Buy Entscheidungen durch effiziente Marktanalysen. Nur ein kleiner Prozentsatz der Softwarelösungen ermöglicht die tatsächliche Differenzierung von Mitbewerbern. Nur diese Lösungen sollten im eigenen Unternehmen entwickelt werden. Durch sie ist es möglich, den Wettbewerbsvorteil über die kommenden Jahre weiter auszubauen.